臭
Zeichengeschichte & Erklärung
Im modernen Chinesisch wird 臭 (chòu) alltäglich verwendet, um physische Fäulnis (z. B. verfaulte Nahrung), aber auch moralische Verderbnis (z. B. in politischen Kommentaren) zu kennzeichnen. Ein bekannter idiomatischer Ausdruck ist 臭名远扬 (chòu míng yuǎn yáng), wörtlich „schlechter Ruf verbreitet sich weit“, also „berüchtigt“. Dieser Ausdruck ist dokumentiert seit der Ming-Dynastie und findet sich in historischen Chroniken sowie zeitgenössischen Medien.
Die Schriftform ist kein Piktogramm, sondern ein Sinn-Laut-Zeichen: Das Radikal 自 (zì) diente ursprünglich phonetisch (ältere Aussprache *s-), während 犭 (quǎn, „Hund“) semantisch auf Geruchssinn hinweist – Hunde galten als Geruchsträger. Diese Struktur ist seit der Han-Zeit stabil überliefert und erscheint so in der Shuōwén Jiězì (100 n. Chr.), dem ältesten erhaltenen chinesischen Lexikon.
Das Zeichen 臭 (chòu) gehört zur HSK-Stufe 5 und zählt zu den mittelschweren Vokabeln, die sowohl im gesprochenen als auch im geschriebenen Chinesisch häufig vorkommen. Es bezeichnet primär einen unangenehmen Geruch – also eine ‚stinkende‘ Substanz oder Situation – und wird oft emotional aufgeladen verwendet, etwa bei Kritik an Verhalten oder Zuständen. Seine Aussprache chòu ist tonal klar: dritter Ton, fallend-steigend, was für Lernende besonders wichtig ist, da die ähnliche Aussprache xiù (vierter Ton) eine völlig andere Bedeutung hat.
Historisch gesehen stammt 臭 aus dem altchinesischen Schriftsystem und war ursprünglich ein Sinnzeichen (semantisches Leitzeichen), das sich aus dem Radikal 自 („selbst“, hier als phonetischer Träger) und dem Bestandteil 犭 („Hund“, alter Form von 犬) zusammensetzte – letzteres deutet auf Geruchswahrnehmung hin, da Hunde besonders geruchsempfindlich sind. Diese etymologische Verbindung ist in modernen Lehrwerken jedoch nicht mehr transparent, weshalb Lernende sich auf die aktuelle Bedeutung konzentrieren sollten.
Im Alltag wird 臭 meist negativ konnotiert: ob bei verdorbenem Essen, unzureichender Hygiene oder metaphorisch für korrupte Praktiken (z. B. 臭名昭著 – „berüchtigt“). Die seltene Lesung xiù erscheint fast ausschließlich in klassischen Texten oder festen Ausdrücken wie 乳臭未干 („Milchgeruch noch nicht verflogen“, also „noch unreif“), wo sie neutral „Geruch“ bedeutet – ein wichtiger semantischer Unterschied, der durch den Ton markiert wird.
Beispielsätze
Zusammengesetzte Wörter
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