倦
Zeichengeschichte & Erklärung
Historisch belegt ist 倦 seit der Han-Dynastie (206 v. Chr.–220 n. Chr.) in Texten wie den ‚Büchern der Riten‘ (Liji) und bei Mencius, wo es die geistige Ermüdung eines Herrschers vor moralischer Verantwortung beschreibt. In der Ming- und Qing-Zeit taucht es in Romanen wie ‚Der Traum der roten Kammer‘ auf, um seelische Erschöpfung von Figuren darzustellen. Heute erscheint es regelmäßig in Zeitungsartikeln über Burn-out, politische Reden zur gesellschaftlichen Erschöpfung oder Literaturkritiken.
Die Form 卷 im Rechtsteil ist kein Piktogramm, sondern ein phonetisches Element (ursprünglich *kʷan), das hier keine bildliche Bedeutung trägt. Das Zeichen ist daher kein Ideogramm, sondern ein reines semantisch-phonetisches Kompositum – typisch für über 90 % aller chinesischen Schriftzeichen nach der Han-Zeit.
Das Zeichen 倦 (juàn) gehört zur Gruppe der semantisch-phonetischen Komposita und besteht aus dem Menschen-Radikal 亻 links sowie dem phonetischen Bestandteil 卷 rechts. Es vermittelt die Bedeutung ‚ermüdet‘ oder ‚erschöpft‘ durch den Bezug auf eine körperliche oder seelische Erschlaffung, die sich in einer Veränderung der Haltung oder Energieausstrahlung zeigt. Historisch entstand es als Ergänzung zu älteren Ausdrücken für Müdigkeit und wurde früh in klassischen Texten wie den ‚Gesprächen des Mencius‘ verwendet.
Die Schreibweise folgt einer klaren Strichfolge: Zuerst das Radikal 亻 (zwei Striche), dann das komplexe Rechtsteil 卷 mit acht weiteren Strichen – insgesamt zehn. Die Strichreihenfolge ist standardisiert und wird in offiziellen Lehrplänen (z. B. GB 13000.1) festgelegt. Ein fehlerhafter Strich kann die Lesbarkeit beeinträchtigen, besonders bei Handschrift oder alter Drucktechnik.
Im modernen Chinesisch fungiert 倦 fast ausschließlich attributiv oder prädikativ, selten als Verb. Es tritt häufig in literarischen, journalistischen oder psychologischen Kontexten auf, seltener im gesprochenen Alltagschinesisch, wo 累 (lèi) oder 困 (kùn) bevorzugt werden. Seine Verwendung signalisiert oft eine tiefere, langanhaltende Erschöpfung – nicht nur physisch, sondern auch emotional oder ideell.
Beispielsätze
Zusammengesetzte Wörter
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