凄
Zeichengeschichte & Erklärung
Historisch belegt ist 凄 seit der Han-Dynastie (206 v. Chr.–220 n. Chr.) in klassischen Texten wie den Yuefu-Gedichten, wo es emotionale Leere und winterliche Trostlosigkeit beschreibt. In der modernen Sprache findet man es vor allem in festen Ausdrücken wie 凄惨 (qīcǎn, ‚grausam‘/‚erbärmlich‘) oder 凄凉 (qīliáng, ‚trostlos‘/‚düster‘), häufig in Medienberichten über Katastrophen oder soziale Notlagen. Es ist kein Alltagszeichen, sondern trägt literarische und emphatische Funktion.
Die Schriftform ist kein Piktogramm, sondern ein semantisch-phonetisches Zeichen: Der linke Teil 冫 ist das Eis-Radikal (2 Striche), der rechte Teil 凄 ist heute phonetisch nicht mehr transparent, aber ursprünglich möglicherweise mit dem Zeichen 妻 (qī, ‚Ehefrau‘) verwandt – doch diese Verbindung ist linguistisch umstritten und nicht mehr produktiv.
Das Zeichen 凄 (qī) gehört zur HSK-Stufe 6 und vermittelt primär die Vorstellung einer tiefen, durchdringenden Kälte – nicht nur physisch, sondern auch emotional oder atmosphärisch. Es ist ein semantisch-phonetisches Zeichen: Der linke Teil 冫 („Eis“-Radikal) deutet auf Kälte hin, während der rechte Teil 凄 selbst als phonetischer Bestandteil fungiert, obwohl seine Aussprache historisch variiert hat. Die Bedeutung geht über bloße Temperatur hinaus und umfasst oft eine düstere, beklemmende Stimmung.
Im modernen Chinesisch wird 凄 selten isoliert verwendet, sondern fast ausschließlich in festen Wortverbindungen wie 凄凉 (qīliáng) oder 凄惨 (qīcǎn). Diese Komposita verstärken den Eindruck von Trostlosigkeit, Elend oder herzzerreißender Einsamkeit. Das Zeichen wirkt daher stets literarisch, stilistisch gehoben oder sogar archaisch – es fehlt im Alltagsvokabular und taucht vorwiegend in Gedichten, Romanen oder journalistischen Beschreibungen schwerer Lebensumstände auf.
Als Radikal 冫 (Bing) steht für „Eis“ und erscheint in vielen kältebezogenen Zeichen wie 冷 (lěng, „kalt“), 冻 (dòng, „einfrieren“) oder 凉 (liáng, „frisch/kühl“). Bei 凄 jedoch ist die Kälte metaphorisch: Sie beschreibt eine emotionale Erstarrung, einen Zustand der Verlassenheit oder des inneren Frostes. Diese Übertragung von physischer auf psychische Kälte ist typisch für die chinesische Sprachkultur und spiegelt das Konzept der Wechselwirkung zwischen Natur und Gefühl wider.
Beispielsätze
Zusammengesetzte Wörter
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