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Schreibweise
HSK 6 Radikal: 欠 11 Striche
💡 Denke an 'YU' wie 'JU' – 'JU' = 'Jeder Umgang mit Verlangen braucht Bewusstsein'.
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📚 Zeichengeschichte & Erklärung

欲 (yù) meaning in English — Verlangen

Historisch dokumentiert ist 欲 seit der Zhou-Dynastie (1046–256 v. Chr.) in Inschriften und Texten wie dem Buch der Riten (Liji) als Schlüsselbegriff für menschliche Triebe und moralische Selbstreflexion. In der Neo-Konfuzianischen Tradition (Song-Dynastie) wird es systematisch von 理 (lǐ, ‚Prinzip‘) abgegrenzt, um die Spannung zwischen natürlichen Neigungen und ethischer Disziplin zu thematisieren. Heute findet es sich häufig in philosophischen, psychologischen und juristischen Kontexten – etwa in der Formulierung ‚sexuelle Lust‘ (性欲, xìngyù) oder ‚wirtschaftliches Verlangen‘ (经济欲望).

Die Schriftform leitet sich nicht von einem Piktogramm ab, sondern ist ein entwickeltes phono-semantisches Zeichen: Die linke Komponente 欠 signalisiert den Bereich des Ausdrucks und der inneren Regung, während 谷 (ursprünglich ‚Tal‘) hier primär als Lautträger fungiert – seine Aussprache gǔ ähnelt historisch der von yù (im alten Chinesisch *ŋuk). Die heutige Aussprache yù entstand durch tonale und lautliche Verschiebung.

Das Zeichen 欲 (yù) ist ein semantisch-phonetisches Kompositum mit dem Radikal 欠 (qiàn, ‚Mund öffnen‘, oft mit Atem-, Sprach- oder Verlangenskontexten verbunden) links und dem phonetischen Bestandteil 谷 (gǔ, ‚Tal‘) rechts. Es zählt zu den fortgeschrittenen Zeichen des HSK 6 und vermittelt die Kernbedeutung ‚Verlangen‘, ‚Wunsch‘ oder ‚Begehren‘ – stets mit einer Nuance von innerer Triebkraft, nicht bloß oberflächlichem Wollen.

Etymologisch geht 欲 auf das alte chinesische Zeichen für ‚sich nach etwas sehnen‘ zurück, das bereits in der Bronzinschrift (ca. 11.–3. Jh. v. Chr.) belegt ist. Im Laufe der Zeit wurde die ursprüngliche Form vereinfacht, wobei die Verbindung zum Radikal 欠 die körperliche Dimension des Verlangens – etwa ein Seufzen, ein Aufstöhnen, ein inneres Ziehen – betont. Dies unterstreicht die chinesische Vorstellung vom Begehren als einem tiefen, fast physiologischen Impuls.

In der klassischen Literatur (z. B. im Mencius oder in buddhistischen Sutras) spielt 欲 eine zentrale Rolle bei der ethischen Reflexion über Begierde und Selbstbeherrschung. Auch in moderner Sprache bleibt es hochpräzise: Es erscheint selten allein, sondern vorwiegend in festen Verbindungen wie 欲望 (yùwàng, ‚Begierde‘) oder 不欲 (bù yù, ‚nicht wünschen‘), wo es stets einen bewussten, subjektiven Willensakt markiert – nie ein bloßes ‚möchte‘ im Sinne von Höflichkeit oder Konjunktiv.

💬 Beispielsätze

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