惧
Zeichengeschichte & Erklärung
Im modernen Chinesisch erscheint 惧 fast ausschließlich in festen Wortverbindungen wie 毫不畏惧 (háo bù wèi jù, ‚keine Spur von Furcht‘) oder in politisch-literarischen Kontexten, etwa in Reden über Mut und Widerstand. Es findet sich regelmäßig in offiziellen Dokumenten der KPCh zur Charakterisierung historischer Helden, die ‚keine Furcht vor Schwierigkeiten‘ zeigten. Auch in Schulbüchern der Oberstufe (HSK 6) wird es im Zusammenhang mit klassischer Literatur behandelt.
Die heutige Form geht auf die Siegelschrift (zhuànshū) zurück, wo 具 bereits als phonetisches Element fungierte und 忄 als semantisches Signal für innere Regung eingeführt wurde. Kein Piktogramm – sondern ein klares Beispiel für das chinesische Prinzip des phono-semantischen Zeichens, das seit der Han-Dynastie stabil geblieben ist.
Das Zeichen 惧 (jù) ist ein semantisches Kompositum aus dem Herzen-Radikal 忄 (xīn zì páng), das emotionale Zustände signalisiert, und dem phonetischen Bestandteil 具 (jù), das die Aussprache annähernd vorgibt. Es gehört zur Gruppe der sogenannten ‚Herz-Zeichen‘, zu denen auch 恐 (kǒng, ‚Angst‘), 怕 (pà, ‚befürchten‘) und 懼 gehören – alle beschreiben Nuancen von Furcht, wobei 惧 den stärksten, oft literarisch oder moralisch aufgeladenen Grad bezeichnet.
Historisch taucht 惧 bereits in klassischen Texten wie den Analecta des Konfuzius (Lunyu 7.11) auf: „君子不惧“ (jūnzǐ bù jù) – ‚Der Edle fürchtet sich nicht‘ – was die Verbindung von Furcht mit ethischer Reife unterstreicht. Im Gegensatz zu alltäglichem 骇 (hài, ‚erschrecken‘) oder umgangssprachlichem 怕 ist 惧 stilistisch gehoben und wird heute vor allem in festen Ausdrücken, literarischen Werken und formellen Reden verwendet.
Die Strichfolge (11 Striche) folgt einer klaren logischen Abfolge: Zuerst das Radikal 忄 (3 Striche), dann das rechte Element 具 mit seiner charakteristischen geschlossenen Struktur (8 Striche). Die Schreibrichtung ist strikt von links nach rechts, wobei die horizontale Linie im oberen Teil von 具 als Stütze für die nachfolgenden vertikalen und schrägen Striche dient – eine typische Balance zwischen Formstrenge und semantischer Tiefe.
Beispielsätze
Zusammengesetzte Wörter
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