疏
Zeichengeschichte & Erklärung
Historisch wurde 疏 seit der Han-Dynastie (206 v. Chr.–220 n. Chr.) in offiziellen Dokumenten verwendet – insbesondere als Titel für schriftliche Vorschläge an den Kaiser (z. B. „Jian Shū“, 谏疏). In der Tang- und Song-Zeit war es fest etabliert in technischen Berichten zur Flussregulierung, etwa im Zusammenhang mit dem Großen Kanal. Heute erscheint es in amtlichen Publikationen des chinesischen Ministeriums für Wasserressourcen bei Projekten zur Sedimentbeseitigung.
Die heutige Schriftform ist eine vereinfachte Variante des traditionellen 疎 (shū), die 1956 in der ersten Vereinfachungsliste offiziell eingeführt wurde. Sie behält dieselbe Aussprache und Kernbedeutung bei, unterscheidet sich aber durch die vereinfachte Rechtskomponente (statt 疎: 疋 + → 疏: 疋 + 巛). Dies ist ein dokumentierter, regierungsamtlich festgelegter orthografischer Wandel – keine folksetymologische Entwicklung.
Das Zeichen 疏 (shū) gehört zum HSK-Stufe-6-Wortschatz und vermittelt primär die Bedeutung ‚freilegen‘, ‚durchlässiger machen‘ oder im wörtlichen Sinne ‚ausräumen‘ – besonders im Kontext von Wasserläufen, Kanälen oder Blockaden. Es ist kein alltägliches Verbum im gesprochenen Chinesisch, sondern tritt vorwiegend in formellen, technischen oder literarischen Kontexten auf, etwa bei Infrastrukturmaßnahmen oder metaphorischer Sprache.
Etymologisch leitet sich 疏 vom Radikal 疋 (pǐ) ab, das ursprünglich ‚Fußabdruck‘ oder ‚Maßeinheit für Stoff‘ bedeutete, aber hier rein phonetisch fungiert. Der rechte Teil (疋 + 疋-ähnliche Struktur) ist nicht als eigenständiges Zeichen lesbar, sondern dient der Lautangabe. Die Schriftform entstand während der Han-Dynastie als regulierte Form des älteren Zeichens 疎, das heute als Variante gilt.
In der klassischen Literatur begegnet 疏 häufig in offiziellen Memoranden („Shū“-Dokumente), wo es die Bedeutung ‚ausführliche Darlegung‘ oder ‚detaillierte Stellungnahme‘ trägt – ein semantischer Übergang von ‚klarlegen‘ → ‚systematisch darstellen‘. Diese Doppelbedeutung (physikalische Freilegung + intellektuelle Klärung) prägt auch moderne Fachsprache, z. B. in Umwelttechnik oder Rechtswissenschaft.
Beispielsätze
Zusammengesetzte Wörter
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