贪
Zeichengeschichte & Erklärung
Historisch dokumentiert findet sich 贪 in frühchinesischen Texten wie dem ‚Buch der Riten‘ (Lǐjì) und den ‚Gesprächen des Mencius‘, wo es regelhaft zur Kritik an unmäßiger Begierde bei Amtsträgern genutzt wird. In amtlichen Berichten der Qing-Dynastie (1644–1912) war es ein Standardbegriff für Korruption – etwa in Strafakten gegen Beamte, die Steuern unterschlugen. Heute steht es in der Volksrepublik China zentral im Antikorruptionsdiskurs: Die Partei nutzt es regelmäßig in Kampagnentiteln wie ‚打击贪污腐败‘ („Bekämpfung von Bestechlichkeit und Korruption“).
Die Schriftform ist kein Piktogramm, sondern ein phono-semantisches Zeichen (xíngshēngzì): Das Radikal 贝 deutet auf wirtschaftliche Werte hin, während 今 aussprachlich fungiert. Diese Struktur entstand nicht aus einer Abbildung, sondern aus systematischer Schriftentwicklung während der Spät-Zhou-Zeit (ca. 5. Jh. v. Chr.).
Das Zeichen 贪 (tān) gehört zur HSK-Stufe 6 und drückt eine intensive, oft moralisch kritische Gier oder Habgier aus – nicht bloß allgemeines Verlangen, sondern ein übersteigertes, unangemessenes Begehren nach Macht, Reichtum oder Vorteilen. Es ist ein semantisches Kompositum: Der linke Teil 贝 (bèi) ist das Radikal für ‚Muschel‘ und stand historisch für Geld oder Wertgegenstände; der rechte Teil 今 (jīn) dient hier phonetisch und verleiht die Aussprache tān, ohne eigenständige Bedeutung zu tragen.
Im klassischen Chinesisch erscheint 贪 bereits in Texten wie den ‚Gesprächen des Mencius‘ (Mèngzǐ), wo es ethische Verfehlungen von Herrschern beschreibt – etwa das ungebremste Streben nach Territorium oder Steuereinnahmen. Die Schriftform ist seit der Han-Dynastie (206 v. Chr.–220 n. Chr.) stabil und wurde in offiziellen Dokumenten zur Charakterisierung korrupter Beamter verwendet, was ihre negative Konnotation prägte.
In der modernen Sprache bleibt 贪 stark pejorativ: Es bezeichnet kein harmloses Interesse, sondern pathologische Gier, die Handlungen beeinflusst – etwa Bestechlichkeit, Amtsmissbrauch oder unethisches Gewinnstreben. Im Unterschied zu neutraleren Verben wie 喜欢 (xǐhuan, ‚mögen‘) oder 想要 (xiǎng yào, ‚wollen‘) impliziert 贪 stets einen moralischen Vorwurf und wird häufig in politischer, juristischer oder journalistischer Sprache eingesetzt.
Beispielsätze
Zusammengesetzte Wörter
Ähnliche Zeichen — verwechseln Sie diese nicht
Ihr erster Schritt in die chinesische Kultur: Holen Sie sich Ihren chinesischen Namen
Jede Reise ins Chinesische beginnt mit einem Namen. Nutzen Sie unseren kostenlosen Namensgenerator für einen bedeutungsvollen, persönlichen chinesischen Namen.
Meinen chinesischen Namen erstellen →