吣
Zeichengeschichte & Erklärung
吣 ist ein regional gebräuchliches Verb, das vor allem in südchinesischen Dialekten (z. B. Kantonesisch, Hakka) und in der modernen chinesischen Literatur zur Beschreibung von Übelkeit und Erbrechen eingesetzt wird. Es taucht selten in offiziellen Dokumenten oder Nachrichtentexten auf, aber regelmäßig in Romanen, medizinischen Fallberichten und mündlichen Beschreibungen von Magen-Darm-Beschwerden. Historisch lässt sich 吣 bis ins späte Ming- und Qing-Zeitalter zurückverfolgen, wo es in Volksmedizin-Handbüchern als Synonym für 逆 (nì, ‚aufsteigen‘, ‚gegenläufig‘) im Zusammenhang mit Verdauungsstörungen genannt wird.
Die Schriftform ist kein Piktogramm, sondern ein klares xíngshēng-Zeichen: 口 gibt die semantische Kategorie (Mundaktivität) an, 今 liefert den Lautwert. Eine etymologische Verbindung zu 今 als ‚jetzt‘ ist rein zufällig – es dient hier ausschließlich als phonetischer Hinweis ohne inhaltliche Bedeutung.
Das Zeichen 吣 (qìn) ist ein semantisches Kompositum aus dem Radikal 口 (Mund, Sprache, Ausdruck) und dem phonetischen Bestandteil 今 (jīn, hier als Lautträger für qìn dienend). Es gehört zu den weniger häufigen Verbschriftzeichen und wird fast ausschließlich in der Bedeutung ‚erbrechen‘, ‚sich übergeben‘ verwendet. Seine Struktur folgt dem klassischen chinesischen Prinzip des xíngshēng-Zeichens (phonetisch-semantisches Zeichen), wobei die Bedeutung durch das Mund-Radikal signalisiert wird.
Die Aussprache qìn ist ungewöhnlich: Das q- steht für einen palatalen Affrikat-Laut [tɕʰ], der im Deutschen kein direktes Äquivalent hat – ähnlich wie bei ‚Qigong‘. Die Tonhöhe ist der vierte Ton (fallend), was eine klare, bestimmte Aussprache erfordert. Fehlinterpretationen als qīn (z. B. ‚küssen‘) sind häufige Fehlerquellen für Lernende.
Grammatikalisch fungiert 吣 stets als Verb und tritt meist in verlaufsorientierten oder beschreibenden Kontexten auf – etwa nach Modalverben wie 会 (huì) oder mit Aspektpartikeln wie 了 (le). Es ist kein HSK-Zeichen und erscheint weder in offiziellen Lehrwerken noch in standardisierten Prüfungen, sondern vorwiegend in literarischen, medizinischen oder dialektalen Texten sowie in der Umgangssprache südchinesischer Regionen.
Beispielsätze
Zusammengesetzte Wörter
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