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Schreibweise
chēn
Radikal: 口 13 Striche
💡 口 + 真 = 'wahrer Mund' → echter, direkter Ärger, laut ausgesprochen
Verwandte Wörter

📚 Zeichengeschichte & Erklärung

嗔 (chēn) meaning in English — sich ärgern über

Historisch dokumentiert findet sich 嗔 bereits im ‚Shuōwén Jiězì‘ (100 n. Chr.), wo es als ‚Zorn, der durch Worte zum Ausdruck kommt‘ definiert wird. In der chinesischen Buddhistischen Kanon-Literatur (z. B. im ‚Vimalakīrti-Sūtra‘) ist 嗔 einer der drei Haupthindernisse auf dem Pfad zur Erleuchtung. Auch in klassischen Romanen wie ‚Die Rote Kammer‘ wird es verwendet, um feine emotionale Nuancen von verletztem Stolz oder moralischem Missfallen darzustellen.

Das Zeichen ist kein Piktogramm, sondern ein phono-semantisches Kompositum: 口 (Mund) als semantisches Radikal deutet auf sprachlichen Ausdruck hin, während 真 (wörtlich ‚wahr‘, hier als Lautkomponente fungierend) die Aussprache annähernd vorgibt. Die Strichzahl 13 entspricht der traditionellen Schreibweise ohne Vereinfachung – es gibt keine vereinfachte Form dieses Zeichens.

Das Zeichen 嗔 (chēn) gehört zu den weniger alltäglichen, aber kulturspezifisch wichtigen Wörtern für emotionale Reaktionen. Es beschreibt ein gezieltes, oft moralisch aufgeladenes Ärgernis oder Zorn gegenüber einer Person oder Handlung – nicht bloße Wut, sondern ein bewusstes, häufig verbales Ausdrucksmuster des Unmuts. Im klassischen Chinesisch und in buddhistischen Texten spielt es eine zentrale Rolle als einer der drei ‚Gifts‘ (Gier, Hass, Unwissenheit), wobei 嗔 spezifisch den zornvollen Affekt bezeichnet.

Als semantisches Zeichen mit dem Radikal 口 (Mund) weist es auf mündliche Äußerung hin: Der Zorn wird hier nicht nur empfunden, sondern artikuliert – etwa durch Vorwürfe, scharfe Worte oder tadelnden Ton. Die rechte Komponente 眞 (verkürzt zu 真) bedeutet ‚wahr‘ oder ‚aufrichtig‘, was darauf hindeutet, dass der Ärger als authentische, unverstellte Reaktion gemeint ist – nicht gespielt, sondern aus innerer Überzeugung heraus.

Im modernen Hochchinesisch ist 嗔 heute selten in der Umgangssprache, erscheint aber regelmäßig in literarischen, philosophischen und religiösen Kontexten – besonders in buddhistischen Lehren zur Emotionskontrolle. Es ist kein HSK-Zeichen, da es außerhalb des Alltagsvokabulars liegt; Lernende begegnen ihm meist erst bei tieferem Einstieg in chinesische Philosophie oder klassische Literatur.

💬 Beispielsätze

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