圄
Zeichengeschichte & Erklärung
Historisch belegt ist 圄 seit der Zhou-Dynastie (ca. 1046–256 v. Chr.) als Bezeichnung für staatliche Haftanstalten, insbesondere in offiziellen Dokumenten und Inschriften auf Bronzegütern. In der Han-Zeit wurde es in juristischen Kodizes wie dem „Fajing“ verwendet, um strafrechtliche Vollzugseinrichtungen zu benennen. Heute erscheint es nur noch in literarischen Zitaten, akademischen Arbeiten zur Rechtsgeschichte oder als stilistisches Mittel in historischen Romanen und Theaterstücken.
Die Schriftform ist kein Piktogramm, sondern ein phonetisch-semantisches Kompositum: 囗 (Umfang) + 禹 (Lautträger yǔ). Die Form vermittelt keine direkte bildliche Darstellung eines Gefängnisses, sondern konstruiert die Bedeutung über semantische Grenzziehung und phonetische Verankerung – typisch für die Entwicklungsphase des Siegelschrift- und Kleinkanji-Stils.
Das Zeichen 圄 (yǔ) ist ein seltenes, klassisches Schriftzeichen, das ausschließlich die Bedeutung ‚Gefängnis‘ oder ‚Haftstätte‘ trägt. Es gehört zu den sogenannten ‚Umfassungszeichen‘ (囗-Radikal), bei denen das Radikal eine umschließende Struktur symbolisiert – hier konkret: einen eingezäunten, abgeschotteten Raum für Inhaftierte. Im modernen Chinesisch kommt 圄 fast ausschließlich in literarischen, historischen oder juristisch-formellen Kontexten vor.
Etymologisch entstand 圄 im Altkaiserlichen China als Lehnzeichen mit phonetischem Bestandteil 禹 (yǔ, ein berühmter mythischer Herrscher) und semantischem Radikal 囗 („umschließen“). Die Kombination deutet auf einen staatlich kontrollierten, abgeriegelten Ort hin. Dies spiegelt die traditionelle chinesische Vorstellung vom Gefängnis als einem Ort der Ordnungswahrung durch physische Trennung wider.
Obwohl 圄 nicht im HSK-Vokabular enthalten ist und im Alltagschinesisch durch Wörter wie 监狱 (jiānyù) oder 狱 (yù) ersetzt wird, bleibt es in historischen Texten, klassischer Literatur und juristischen Fachbegriffen präsent. Seine Verwendung signalisiert oft eine archaische, feierliche oder moralisch-didaktische Tonlage – etwa in Redewendungen zur Rechtsprechung oder zur Darstellung von Gerechtigkeit in alten Geschichtswerken.
Beispielsätze
Zusammengesetzte Wörter
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