坤
Zeichengeschichte & Erklärung
坤 wird in modernen chinesischen Kontexten selten isoliert verwendet, aber regelmäßig in Fachbegriffen der klassischen Philosophie, Feng-Shui-Analysen und als Bestandteil von Eigennamen – etwa in Frauennamen wie 坤玲 (Kūnlíng) oder geografischen Bezeichnungen wie 坤山 (Kūnshān), einem Bezirk in Suzhou. In der Volkskultur taucht es in Redewendungen wie 坤造 (kūn zào, ‚weibliche Geburt‘, archaisch für ‚Geburtsdatum einer Frau‘) auf, besonders auf alten Dokumenten oder Horoskopen.
Ursprünglich ist 坤 kein Piktogramm, sondern ein Leihzeichen (phonetisches Loan Character): Die Form leitet sich vom älteren Zeichen 申 ab, das hier semantisch mit dem Radikal 土 kombiniert wurde, um die kosmische Erdfunktion zu betonen. Archäologisch belegt ist seine Verwendung seit der Zhou-Dynastie (ca. 1046–256 v. Chr.) in Orakelknochen- und Bronzeinschriften im Zusammenhang mit rituellen Erdopfern.
Das Zeichen 坤 (kūn) gehört zu den acht Trigrammen (八卦, Bāguà) der chinesischen Philosophie und steht symbolisch für die Erde, das Weibliche, das Empfangende und die Passivität. Es ist das Gegengewicht zu 乾 (qián), dem Trigramm des Himmels und des Männlichen. In der I-Ging-Tradition repräsentiert 坤 die vollkommene Weiblichkeit, Geduld, Fruchtbarkeit und stille Stärke – nicht als Schwäche, sondern als kraftvolle Rezeptivität.
Formal besteht 坤 aus dem Radikal 土 (tǔ, ‚Erde‘) links und dem phonetischen Bestandteil 申 (shēn) rechts, das hier jedoch nicht die Aussprache bestimmt, sondern historisch mit der Bedeutung ‚ausdehnen, manifestieren‘ verknüpft ist. Die acht Striche folgen einer klaren Strichfolge: horizontal, senkrecht, horizontal, horizontal, senkrecht, horizontal, horizontal, senkrecht – wobei die drei oberen und drei unteren waagerechten Striche jeweils die drei Yin-Linien des Trigramms visualisieren.
In der klassischen Literatur wie dem Yìjīng (Buch der Wandlungen) erscheint 坤 als eigenständiges Kapitel mit einer eigenen Hexagramm-Deutung (Hexagramm 2). Es wird auch in zahlreichen philosophischen, medizinischen und feng-shui-bezogenen Texten verwendet, stets im Kontext von Harmonie, Erdenergie und weiblicher kosmischer Ordnung. Seine Verwendung heute bleibt vorwiegend traditionell – in Astrologie, Kulturanalyse oder bei der Namensgebung für weibliche Personen oder Orte mit erdverbundener Symbolik.
Beispielsätze
Zusammengesetzte Wörter
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