垝
Zeichengeschichte & Erklärung
Historisch dokumentiert findet sich 垝 vor allem in antiken Texten zur Beschreibung zerfallener Befestigungsanlagen – etwa in Kommentaren zu den ‚Frühlings- und Herbstannalen‘ (Chūnqiū) oder in regionalen Ortsbeschreibungen der Han-Zeit. Ein bekanntes Beispiel ist die Wendung 垝垣, die in klassischen Kommentaren als Synonym für verfallene Stadtmauern verwendet wird. Heute ist das Zeichen außerhalb akademischer Kreise nahezu unbekannt und erscheint nicht in Zeitungen, sozialen Medien oder alltäglichen Texten.
Die Schriftform ist keine direkte Abbildung (Piktogramm), sondern eine logographische Komposition: 土 (Radikal 132, Erd-/Baustoffbezug) als semantisches Feld und 危 als phonetischer Hinweis auf die Aussprache guǐ (mit tonaler Annäherung). Die heute gebräuchliche Lesung stammt aus der mittelchinesischen Rekonstruktion und wurde in Wörterbüchern wie dem Kangxi-Wörterbuch systematisch festgelegt.
Das Zeichen 垝 (guǐ) ist ein seltenes, literarisches Schriftzeichen, das sich auf physischen Verfall bezieht – insbesondere auf baufällige, eingestürzte oder stark beschädigte Strukturen wie Mauern, Türme oder Befestigungsanlagen. Es gehört nicht zum modernen Alltagsvokabular und taucht fast ausschließlich in klassischen Texten, historischen Beschreibungen oder poetischen Kontexten auf. Seine Verwendung signalisiert meist einen Zustand fortgeschrittener Zerstörung oder Vernachlässigung über lange Zeit.
Etymologisch setzt sich 垝 aus dem Radikal 土 (Erde, Boden, Erdbau) und dem phonetischen Bestandteil 危 (wēi, ‚gefährlich, instabil‘) zusammen. Dies deutet auf eine semantisch-phonetische Komposition hin: Der Erd-Aspekt betont die materielle, bauliche Ebene, während 危 die Gefährdung und Instabilität des Objekts unterstreicht. Das Zeichen ist kein Piktogramm, sondern ein typisches Form-Laut-Zeichen (xíngshēngzì).
In der modernen chinesischen Sprache wird 垝 praktisch nicht mehr eigenständig verwendet. Es erscheint lediglich in festen, meist idiomatischen oder literarischen Wendungen wie 垝垣 (guǐ yuán), wobei letzteres auch in alten Quellen wie den ‚Buch der Lieder‘ (Shījīng) nachweisbar ist. Aufgrund seiner Seltenheit ist es weder im HSK noch in gängigen Grundwortschatzlisten enthalten – Lernende begegnen ihm nur bei tieferer Beschäftigung mit klassischer Literatur oder Epigraphik.
Beispielsätze
Zusammengesetzte Wörter
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