舅
Zeichengeschichte & Erklärung
Historisch dokumentiert findet sich 舅 bereits in den Bronzeinschriften der Zhou-Dynastie (ca. 1046–256 v. Chr.) als Bezeichnung für den mütterlichen Onkel – oft in Verbindung mit rituellen Pflichten wie der Begleitung der Nichte bei ihrer Hochzeit. In klassischen Texten wie dem Rites of Zhou (周礼) wird der 舅 als wichtiger Vermittler zwischen den Familien bei Eheschließungen genannt. Bis heute gilt er in vielen ländlichen Regionen als zuständig für Schutz und Rat in Lebensübergängen.
Die Schriftform selbst entstand nicht als Piktogramm, sondern als phono-semantisches Zeichen: Das Radikal 臼 diente primär zur Lautangabe (jiù), während die obere Komponente 男 früher die Semantik ‚männliches Familienmitglied‘ trug. Die heutige Strichfolge (13 Striche) folgt strengen Schreibregeln der Kalligraphie – insbesondere die symmetrische Anordnung der beiden senkrechten Striche im oberen Teil signalisiert Stabilität und Autorität.
Das Zeichen 舅 (jiù) bezeichnet den Bruder der Mutter – also den „muttersseitigen Onkel“. Im chinesischen Verwandtschaftssystem ist diese Unterscheidung zentral: Im Gegensatz zum väterlichen Onkel (伯父 bòfù oder 叔父 shūfù) wird der mütterliche Onkel stets mit 舅 angesprochen. Dies spiegelt die traditionelle Betonung der matrilinearen Verwandtschaftsbeziehungen wider, insbesondere in rituellen und familiären Kontexten wie Hochzeiten oder Trauerfeiern.
Etymologisch gehört 舅 zu den semantisch-phonetischen Komposita: Das Radikal 臼 (jiù, ursprünglich ‚Mörser‘) dient hier als phonetischer Anker, während das obere Element 男 (nán, ‚Mann‘) ursprünglich die semantische Kategorie lieferte – doch seit der Han-Zeit wurde es durch 翏 (liù, veraltetes Lautzeichen) ersetzt und später vereinfacht. Die heutige Form ist nicht piktografisch, sondern historisch gewachsen.
Im modernen Chinesisch bleibt 舅 ein fest etablierter Familienbegriff ohne Umgangssprachliche Abkürzungen. Es erscheint regelmäßig in formellen Dokumenten, literarischen Texten und Alltagskommunikation – besonders bei der Nennung von Verwandten im Rahmen von Familienzusammenkünften oder Genealogien. Seine Verwendung unterstreicht die kulturelle Bedeutung klarer kinship-Terminologie im Sinne des konfuzianischen Familienethos.
Beispielsätze
Zusammengesetzte Wörter
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