朽
Zeichengeschichte & Erklärung
Historisch belegt ist 朽 bereits in der Zhou-Dynastie (ca. 1046–256 v. Chr.) in Bronzeinschriften als Bezeichnung für verrottetes Holz; im Shuōwén Jiězì (121 n. Chr.) wird es explizit als „verfaultes Holz“ definiert. In der klassischen Literatur dient es oft als Metapher für moralische Schwäche oder geistige Trägheit. Heute findet es sich hauptsächlich in festen Wendungen, literarischen Analysen oder satirischen Kommentaren zu veralteten Institutionen.
Die Schriftform ist kein Piktogramm, sondern ein phono-semantisches Kompositum: Das Radikal 木 deutet das Material an, während 丂 (ursprünglich ein gekrümmtes Zeichen für ‚Haken‘ oder ‚Verbiegung‘) als phonetischer Hinweis diente – heute ist die Lautverbindung historisch geworden, da sich die Aussprache verändert hat.
Das Zeichen 朽 (xiǔ) gehört zur sechsten HSK-Stufe und bezeichnet primär den Zustand von Holz oder organischen Materialien, die durch Feuchtigkeit, Pilze oder Zeit morsch, verfault oder zerfallen sind. Es ist ein semantisches Zeichen mit dem Holz-Radikal 木, das die Materialzugehörigkeit betont, und dem phonetischen Bestandteil 丂 (früher als Lautträger für *xiǔ* fungierend). Seine Verwendung ist meist bildlich oder metaphorisch – etwa bei der Beschreibung von Verfall im übertragenen Sinne.
Im klassischen Chinesisch tritt 朽 häufig in philosophischen oder moralischen Kontexten auf, z. B. in Aussagen über die Vergänglichkeit menschlichen Lebens oder ethischer Prinzipien. Konfuzius verwendete es im Analecta (Lunyu 9.23), um auszudrücken, dass selbst Weisheit vergehen kann, wenn sie nicht gepflegt wird: „Gelerntes, das nicht wiederholt wird, verfault (不習, 朽矣).“ Damit ist 朽 kein rein physikalisches, sondern ein kulturell aufgeladenes Wort für unumkehrbaren Zerfall.
Heute erscheint 朽 vorwiegend in festen Ausdrücken, literarischen Texten oder abwertenden Metaphern – etwa bei der Kritik an veralteten Ideen oder korrupten Strukturen. Es ist selten im Alltagsgespräch, aber prägnant in Redewendungen wie 朽木不可雕 („verfaultes Holz lässt sich nicht schnitzen“), einer chinesischen Variante des Sprichworts „Was nicht geht, geht nicht“. Die Assoziation mit Unbrauchbarkeit ist stark und stets negativ konnotiert.
Beispielsätze
Zusammengesetzte Wörter
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