倥
Zeichengeschichte & Erklärung
Das Zeichen 倥 findet sich dokumentiert in klassischen Texten wie dem Shuōwén Jiězì (100 n. Chr.), wo es als Synonym für ‚unwissend‘ oder ‚kindlich naiv‘ definiert wird. In der späten Ming- und Qing-Dynastie wurde es gelegentlich in moralphilosophischen Abhandlungen verwendet, um Unreife des Urteils zu kennzeichnen. Heute ist es vollständig aus dem aktiven Sprachgebrauch verschwunden und erscheint lediglich in historischen Lexika oder als Teil alter Personennamen.
Die Schriftform ist kein Piktogramm, sondern ein phono-semantisches Zeichen: 亻 signalisiert die menschliche Bezugsebene, 空 gibt Lautwert und Sinnrichtung (‚Leere‘ → ‚geistige Leere‘). Keine archäologische oder epigraphische Evidenz deutet auf eine frühere bildhafte Darstellung hin – die Form ist seit der Han-Zeit stabil überliefert.
Das Zeichen 倥 (kōng/kǒng) ist ein semantisches Kompositum aus dem Menschen-Radikal 亻 und dem phonetischen Bestandteil 空 (kōng), das sowohl die Aussprache als auch eine Bedeutungskomponente liefert. Es gehört zu den selteneren, literarisch geprägten Zeichen und taucht vorwiegend in klassischen oder stilistisch gehobenen Texten auf. Seine Grundbedeutung ‚unwissend‘, ‚naiv‘ oder ‚ohne Einsicht‘ beschreibt einen Zustand geistiger Unreife oder mangelnder Lebenserfahrung.
Historisch entstand 倥 durch Erweiterung von 空 (‚leer‘, ‚leer sein‘) mit dem Radikal 亻, um die menschliche Dimension hervorzuheben: jemand, dessen Geist ‚leer‘ von Wissen oder Urteilsvermögen ist. Es ist kein HSK-Zeichen und wird in modernen Alltagstexten praktisch nicht verwendet – weder in Medien noch im Schulunterricht. Stattdessen begegnet es fast ausschließlich in historischen Quellen, philosophischen Kommentaren oder poetischen Beschreibungen charakterlicher Eigenschaften.
Die zweite Lesung kǒng tritt nur in bestimmten festen Verbindungen oder regionalen Varianten auf und ist heute obsolet. Die korrekte Strichfolge folgt der Standardreihenfolge für 10-Strich-Zeichen mit linkem Radikal: erst 亻 (2 Striche), dann 空 (8 Striche) nach der Regel „von oben nach unten, von links nach rechts“. Die Schreibweise ist stabil und weist keine bedeutenden Varianten auf.
Beispielsätze
Zusammengesetzte Wörter
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