示
Zeichengeschichte & Erklärung
Historisch geht 示 auf ein Bronzezeit-Piktogramm zurück, das einen rituellen Altar mit Opfergaben darstellte – belegt durch Inschriften auf Orakelknochen und Bronzen aus der Shang-Dynastie (ca. 1600–1046 v. Chr.). In klassischen Texten wie den ‚Ritenbüchern‘ (Lǐjì) bezeichnete es rituelle Darbietungen und göttliche Offenbarungen. Bis heute bleibt es Kernbestandteil amtlicher Terminologie: So bedeutet 公示 (gōngshì) eine von Behörden veröffentlichte, öffentlich zugängliche Bekanntmachung – ein zentrales Instrument der Transparenz im chinesischen Verwaltungsrecht.
Die Schriftform ist ein stilisiertes Piktogramm: Die obere horizontale Linie symbolisiert den Altartisch, die zwei senkrechten Striche links und rechts die Opferstangen oder Banner, der untere Strich den Boden oder Sockel. Diese ikonische Struktur blieb über 3.000 Jahre weitgehend unverändert – ein seltenes Beispiel für visuelle Kontinuität in der chinesischen Schrift.
Das Zeichen 示 (shì) ist ein grundlegendes ideographisches Schriftzeichen mit fünf Strichen und gehört zum Radikal ‚示‘ – es fungiert sowohl als eigenständiges Zeichen als auch als semantisches Radikal in zahlreichen anderen Zeichen, besonders solchen mit religiösen, rituellen oder offiziellen Konnotationen. Ursprünglich stellte es einen Altar dar, auf dem Opfer dargebracht wurden; diese Bedeutung prägte seine spätere Verwendung als Symbol für ‚zeigen‘, ‚offenbaren‘ oder ‚ankündigen‘ im übertragenen Sinne.
In der modernen Sprache tritt 示 vor allem in formellen, schriftlichen Kontexten auf: in Verben wie ‚anzeigen‘, ‚demonstrieren‘, ‚veranschaulichen‘ oder ‚kundtun‘. Es ist selten alleinstehend im Alltagsgebrauch, aber zentral in Fachsprachen – etwa in der Rechtssprache (z. B. 公示 gōngshì: ‚amtliche Bekanntmachung‘) oder der Wissenschaft (z. B. 演示 yǎnshì: ‚Demonstration‘).
Als Radikal erscheint 示 in über 100 Zeichen, meist mit Bezug zu Ritual, Orakel, Göttern oder göttlicher Mitteilung – z. B. 神 (shén: ‚Gott‘), 祝 (zhù: ‚beten‘), 福 (fú: ‚Glück‘). Dies unterstreicht seine kulturelle Tiefenwirkung: Es verbindet sichtbare Handlung (zeigen) mit unsichtbarer Autorität (Himmlisches Mandat, rituelle Legitimation). Für Lernende ist es daher ein Schlüsselradikal zum Verständnis chinesischer Weltanschauung.
Beispielsätze
Zusammengesetzte Wörter
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